Couch-Surfing China mit Stephan Orth und dem Jahrgang 10

Den Namen seiner Gastgeberin könne er aber nicht preisgeben und auch auf ein Foto mit ihrem Gesicht habe er besser verzichtet. Solche Aussagen waren es, die Stephan Orth immer wieder die volle Aufmerksamkeit der 10er unserer Schule einbrachten. Das klang nicht einfach so nach Action und Abenteuer - das klang irgendwie nach echtem Risiko. 
Einmal China als individuell durchs Land Reisender kennenlernen. Etwa alle drei Tage ein neuer Gastgeber. Nur einen vagen Routenplan und erst einige wenige Übernachtungsmöglichkeiten fix im Moment des Landens. Das klingt nicht nur nach aufregenden Erlebnissen, spontanen Aktionen und der ganzen Bandbreite zwischen Faszination ud Irritation, das scheint auch so gewesen zu sein.
Klischees scheinen irgendwie doch zu stimmen (unkritische HighTec-Affinität, Menschenmassen überall, TempoTempoTempo), aber ebenso auch nicht. So sind viele Chinesen eben wohl doch ganz zufrieden mit dem ökonomischen und politischen System, in dem sie leben. Und nein, das liegt nicht einfach daran, dass die Chinesen alle einfach zu dumm wären, die Vorteile der Demokratie abendländischen Zuschnitts zu begreifen. Ja, Überwachung und Repression kann man sehen und spüren, auch als Tourist. Aber eben auch nein: Es ist durchaus möglich, nicht Mainstream zu sein in China und trotzdem nicht in Gefängnis oder Lager zu landen.
Stephan Orth beamte sich weder von Startup-Millionär zu Partei-Funktionär, ebensowenig trampte er von Berufs-Oppositionellem zu Berufs-Oppositionellem. Es war eher die volle Bandbreite der Mitte - um es einmal so zu nennen -, die der Autor erlebte. Dazu Reisen kreuz und quer, häufig durch Zufall gelenkt. Vom Süden bis zur Grenze nach Nordkorea, von der Küste bis in den Nordwesten zu den muslimischen Uiguren. Für diejenigen, die sich vorher noch nie mit China auseinandergesetzt haben, sicher ein wilder Ritt durch Raum und Zeit. Für Interessiertere 90 Minuten kaleidoskopähnliche ,,Tiefenbilder" aus dem chinesischen Alltag. Dazu ein Mix aus Videosequenzen, Musik und Lesung. Der Autor lässt dabei seine Erlebnisse sprechen, inszeniert sich kaum, ,,Action" entsteht aus dem Inhalt. Zurückhaltend in der Diktion und mit feinem Humor führt er in den Alltag des uns doch sehr Exotischen, zeigt aber ebenso Übergreifend-Allzumenschliches: Irgendwie sind die Chinesen wohl gar nicht so anders als wir.
Und ja: Es gibt tatsächlich Gegenden in China, in denen man Hund isst. Sogar den, der bis gestern noch den Hof bewachte. Besonders, um Gäste zu ehren, tischt man ihn dann auf. Und dem Gast gebühren die besten und meisten Stücke... Höflichkeit ist, wenn man trotzdem isst.
Die Fragerunde bis hinan ans Schlusszeichen der Pausenklingel zeigt, dass Stephan Orth Interesse weckte, dieses wachhielt und zum Nachdenken anregte.

Wir danken der Bibliothekszentrale Niedersachsen, der Stadtbücherei Winsen, dem Sekretariat, dem Technik-Team sowie allen beteiligten Mitstreitern des Bibliothek-Teams. Das war doch wieder eine rundum gut organisierte und abgewickelte komplexe Veranstaltung. Fast so fix und effektiv umgesetzt, wie es wohl in China geklappt hätte.
An der Differenz arbeiten wir nicht, versprochen. 

Ihr/euer BiboTeam

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